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1790 :

Colmar, dessen Einwohnerzahl auf über 13000 angestiegen ist, wird zur Hauptstadt des Départements Haut-Rhin ernannt. Etienne-Ignace Salomon wird zum ersten Bürgermeister gewählt.

1791 :

Die Colmarer Patrioten treffen sich in der Société des Amis de la Constitution (Gesellschaft der Verfassungsfreunde), die später in Société des Amis de la Liberté et de l´Egalité (Gesellschaft der Freunde von Freiheit und Gleichheit) umbenannt wird und Mitglied des Jakobinerclubs von Straßburg ist. Hier debattieren sie über städtische, aber auch über revolutionäre Fragen.

Colmar wird Sitz des konstitutionellen Bistums des Haut-Rhin. Die Stiftskirche St. Martin wird zum Münster befördert. Diesen Status behält sie aber nur bis zum Konkordat von 1802.

Dominikanerplatz, Michel Hertrich, 1897, Unterlinden Museum.

Colmar wäre ein entzückender Aufenthaltsort für einen Philosophen. Die Herzlichkeit der Einwohner und die zauberhafte Landschaft der Umgebung lassen ein Gefühl der Naturnähe entstehen, und das sind die Reize, die der Weise sucht.
J. La Vallée, Voyage dans les départements de la France , 1792

1792 :

Sämtliche Colmarer Klöster werden geschlossen. Die Mönche von Unterlinden, die seit über 500 Jahren in Colmar ansässig sind, verlassen die Stadt.

1793 :

Der Abgeordnete des Konvents, Hérault de Séchelles, verwandelt das Strafgericht des Haut-Rhin in ein Revolutionsgericht. Innerhalb von wenigen Monaten werden 13 Menschen hingerichtet.
In der Martinskirche wird ein Tempel der Vernunft errichtet.

1793-1794 :

Schwere Unwetter und mehrere Missernten beschwören eine ernste Krise herauf. Der Mangel an Grundnahrungsmitteln wird durch die Beschlagnahmung von Lebensmitteln verschärft. Der schlechte Ruf der Assignate (Papiergeld der Ersten Französischen Republik) trägt seinen Teil zur Krise bei.

1796 :

Die Ecole centrale du Haut-Rhin, die erste Technische Hochschule des Départements, wird geöffnet.

1800 :

Colmar wird Sitz der Präfektur Haut-Rhin. Der erste Präfekt waltet seines Amtes.

Die Präfektur, Michel Hertrich, 1876, Unterlinden Museum.

 >> Die Präfektur

1803 :

Eröffnung der Hebammenschule des Haut-Rhin.

1804 :

Mit der Einrichtung des Berufungsgerichts, das ab 1810 Kaiserliches Gericht heißt, wird Colmar wieder zum Zentrum der regionalen Justiz.

Die Lauch, Michel Hertrich, 1874, Unterlindenmuseum

1818 :

Aufkommen einer zweiten großen Textilfabrik neben den Einrichtungen Haussmann: die ebenfalls auf dem Kanal Logelbach aufgestellte Fabrik Herzog im Westen der Stadt.

1824 :

Der Vorstand der jüdischen Gemeinde wird von Wintzenheim nach Colmar verlegt.

"Die Weinrebe ist die Königin dieses Landes. Rasen und Blumen sind an ihrem Hof nicht zugelassen, nur Kartoffeln, Kohl, Salate und andere schlichte Gemüsearten, die bescheiden zu ihren Füßen wachsen, sind ihr genehm. Ein paar Obstbäume, die ihre Nähe suchen, kann sie gerade noch ertragen, aber sie ist stolz genug, ihre Trauben bis zu deren Früchte ragen zu lassen, um ihnen die Herrschaft über die Lüfte streitig zu machen.

Einstmals war Colmar berühmt für die Schönheit seiner Frauen. Die Revolution hat die Völker durcheinander gewirbelt und sie quer durch die Lande getrieben, so dass die Rassen nun gemischt sind. Soll ich sagen, dass Colmar dabei nichts verloren hat? Soll ich sagen, dass die Schönheit seiner Frauen bei dieser Mischung  unwandelbar geblieben ist wie das Wasser der Arethusa, das bei der Berührung des Meeres nicht salzig wurde? Ist diese Galanterie ein Bekenntnis der Wahrheit? Was denken Sie darüber, Mesdames? Alles in allem ist es mir lieber, wenn Sie selbst ein Urteil über sich fällen anstatt meiner…"
Pilgerschaft eines Pariser Child-harold, 1825

1828 :

Colmar bereitet König Karl X. einen prunkvollen Empfang. Im östlichen Stadtteil Grillenbreit nimmt die Textilfabrik Kiener ihre Arbeit auf.

1831 :

Begleitet von seinen Söhnen, den Herzögen von Orléans und Nemours, hält Louis-Philippe sich am 21. und 22. Juni in Colmar auf, wo er begeistert empfangen wird.

1833 :

Die Ecole Normale (Hochschule zur Ausbildung von Lehrern) des Départements Haut-Rhin wird gegründet.

1841 :

Die Eisenbahnstrecke Basel-Colmar-Straßburg wird eingeweiht. Im folgenden Jahr wird der erste Bahnhof in Colmar fertiggestellt.

1843 :

Die jüdische Gemeinde errichtet eine Synagoge in der Rue des Laboureurs.

1845 :

Die Stadt zählt 20000 Einwohner.

1847 :

Gründung der Schongauer-Gesellschaft. Später wird sie die Kunstwerke verwalten, die im ehemaligen Unterlindenkloster aufbewahrt werden.

1848 :

Während der Februarrevolution ist die Republikanische Gesellschaft von Colmar besonders aktiv.

Grand´rue, die Arkaden, Michel Hertrich, 1876, Unterlinden Museum.

1849 :

Neben dem Unterlinden Museum wird ein imposantes Theater im italienischen Stil errichtet. 

Ohne schön oder regelmäßig zu sein, ist Colmar doch eine angenehme Stadt, erstens wegen ihrer herrlichen Umgebung und zweitens weil sie durch die Höflichkeit und Liebenswürdigkeit ihrer Einwohner großstädtischen Charakter hat. Das ist nicht mehr Straßburg mit seinem rauhen germanischen Firnis, Colmar ist bereits eine französische Stadt. Einen großen Anteil an der Besänftigung der Sitten, der besseren und allgemeineren Unterweisung wie auch am gesunden Menschenverstand der Einwohner darf der Einfluss des königlichen Hofes für sich beanspruchen. In der Stadt befinden sich noch einige alte Denkmäler, die einst ihren Ruhm ausmachten.
Joseph-Sybille de Chevery, Histoire d´Alsace, 1849

1854 :

Eine Cholera-Epidemie grassiert in Colmar und fordert 349 Opfer.
>>  Die Cholera in Colmar


Die Lauch, « Petite Venise », Michel Hertrich,1874, Unterlindenmuseum

1856 :

Bartholdi stellt die Statue des Generals Rapp fertig. Eröffnung des Kaiserlichen Lyzeums in Colmar.

1863 :

Jean Macé, Lehrer im nahegelegenen Beblenheim, gründet die "Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin" ("Gesellschaft der Gemeindebibliothken des Haut-Rhin").

1869 :

Eröffnung der Eisenbahnlinie Colmar-Munster.

"In dieser Stadt werden Tradition, Gelehrsamkeit und Pflichtbewusstsein groß geschrieben. Die Colmarer Bourgeoisie pflegt die Häuser ihrer Väter, deren Bibliotheken, Keller und Glauben. Die Männer sind religiös, freisinnig und besonnen; Behaglichkeit verschmähen sie nicht; sie leben im Familienkreis und sind sparsam, sie scheren sich weder um Luxus noch um Lärm. Die Tage sind hier mindestens 24 Stunden lang; jeder füllt sie aus so gut er kann und je nach seinem Geschmack; niemand scheint sie zu lang zu finden…"
Edmond About, Alsace, 1871-1872

1870 :

Colmar zählt fast 24000 Einwohner. Die Stadt richtet eine Handels- und Industriekammer ein. Im September kommt es zu Kämpfen zwischen Freischärlern und Freiwilligen, unter ihnen der Bildhauer Bartholdi, und den badischen Truppen.

1871 :

Durch den Frieden von Frankfurt, der am 10. Mai 1871 geschlossen wird, wird das Elsass dem Deutschen Kaiserreich zugeschlagen. Colmar bleibt Départementshauptstadt; damit untersteht es Straßburg, der Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen.
>> Colmar, die Stadt des Reichslandes

1877 :

Bürgermeister Hercule de Peyerimhoff wird abgesetzt; dieses Amt übernimmt nun ein Deutscher. Die Colmarer sind empört.

1882 :

Gründung der "Verschönerungsgesellschaft" ("Société d´embellissement") zur Neugestaltung der Stadt. Sie ist Auftraggeberin der meisten Statuen, die heute die Colmarer Plätze und Fassaden schmücken. Ein Großteil der Aufträge geht an Bartholdi.

1883 :

Deutsch wird zur einzigen offiziellen Sprache. Die elsässischen Beamten, die als unzuverlässig gelten, bekommen nur subalterne Posten.

1884-1886 :

Die Stadt erneuert ihr Wasserleitungsnetz und baut einen imposanten Wasserturm südlich von Colmar.

Der Winzer, Statue von Bartholdi, 1869.

"Eine recht hübsche, fröhliche französische Stadt mit schönen Spazierwegen: das ist der erste Eindruck, den Colmar auf uns macht. Abends bummeln die Familien auf den Spazierwegen. Das alte Viertel mit den seltsamen Häusern ist auch sehr belebt. Bevor sie nach Hause gehen, machen ganze Familien in der Bräu halt. Wenn die Nacht hereinbricht, leeren sich die Straßen und die Spazierwege. Am Kanal schäkern noch ein paar Soldaten mit den Dienstmädchen.

Zehn Uhr: Wir treffen nur noch auf Wachposten, deren regelmäßige Schritte vor den Toren der militärischen Befehlshaber oder der deutschen Behörden widerhallen."
Maurice Fauste, La-bàs, promenade en Alsace en 1885…

1888:

Bau der Kasernen an der Route de Strasbourg.

1898 :

Gründung des Weinbauinstituts von Colmar. Zu seinen Aufgaben gehört die Entwicklung von Methoden zur Bekämpfung der Reblaus und anderer Krankheiten der Weinrebe.

1900:

Im neuen Stadtviertel westlich der Eisenbahnlinie wird die Kirche St. Joseph geweiht. Colmar zählt 36844 Einwohner.

1902 :

Eröffnung einer Straßenbahnlinie, die den Bahnhof mit dem Kanal verbindet. 1904 benutzen 668000 Passagiere diese Linie, so dass die Behörden den Bau einer zweiten Straßenbahnlinie zwischen der Route de Bâle und der Route de Strasbourg in Angriff nehmen. 1914 wird sie eingeweiht. Die Entwicklung des städtischen Verkehrsnetzes hält Schritt mit der immer größeren Ausdehnung der Stadt.

Die Straßenbahn in der Rue des Clefs zu Beginn des 20. Jh.

1906 :

In der Nähe des Unterlinden Museums entstehen die neuen öffentlichen Bäder.

1907 :

Ein neuer Bahnhof, dessen "Silhouette trefflicherweise einer eleganten Lokomotive ähnelt" -  so der Zeichner und Karikaturist Hansi -  wird in Betrieb genommen.

1908 :

Offizieller Besuch von Kaiser Wilhelm II.

1910 :

Colmar zählt von nun an 43.800 Einwohner, darunter 4.000 Soldaten.
 

"launische, nachterfüllte Straßen; Häuser mit steilen Dächern aus roten Ziegeln, durch die Jahrhunderte gealtert; Häuser mit wuchtigen Dächern, in die der Architekt noch ein Stockwerk gesetzt hat; Häuser mit spitzen, zinnenbewehrten oder festonierten Giebeln, die nicht gerade stehen wollen, denn das Obergeschoss überragt das Erdgeschoss; kleine Fenster mit grünen Läden; die einen sind bauchig, gewölbt, völlig schief und krumm, aneinander gedrängt wie alte Frauen und muten richtig menschlich an; die anderen zierlicher, mit sichtbarem Fachwerk und Mauern, die hin und wieder verputzt sind, mit großem, reich verzierten Tor, einem Türmchen und einer Galerie mit Balustrade; hier wohnten einst die Notabeln. Immer wieder trifft man in der nächtlichen Stille auf etwas völlig Unerwartetes. Die Häuser ähneln sich und sind doch alle unterschiedlich, soviel Fantasie steckt in ihren Fassaden, in den Spuren des Alters."
Paul Acker, Colmar, 1910

Die öffentlichen Bäder.
 
Der Colmarer Bahnhof.

1914 :

Am 23. August dringen einige französische Jägerpatrouillen in die Stadt ein. Die Hoffnung auf Befreiung ist jedoch nur von kurzer Dauer. Die französische Armee zieht sich in die Vogesen zurück.

1917 :

Am 8. August nehmen die Franzosen Colmar unter Beschuss. Es gibt 4 Tote; die öffentlichen Bäder und die Unterlindenschule sind schwer beschädigt. Der Krieg nähert sich der Stadt. Am 16. September kommt es zu einem spektakulären Luftkampf zwischen 16 deutschen Maschinen von der Colmarer Basis und französischen Kampffliegern.

1918 :

Am 11. November wird der Waffenstillstand ausgerufen. Ein Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte bildet sich. Am 18. November marschieren die französischen Truppen in Colmar ein.
Aufmarsch auf dem Place Rapp am 18. November 1918, Victor Huen.

Aufmarsch auf dem Place Rapp am 18. November 1918, Victor Huen.
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