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Der äußere Turm des Deinheimer  oder Breisacher Tores, 19. Jh.
>> Die königliche Stadt

1680 :

Obwohl die Protestanten immer noch zwei Drittel der Einwohner bilden, wird die Gleichstellung der katholischen und der lutheranischen Konfession für die Gemeindeämter eingeführt.

1683 :

Die militärische Befehlsgewalt des Oberelsass konzentriert sich in Colmar: hier residieren der Kriegskommissar für das Oberelsass, der regionale Zeugmeister, der Kontrollmeister des Militärkrankenhauses und der für die Provinz zuständige Munitionsmeister.

1695 :

Infolge einer neuen Gebietsteilung wird Colmar "Chef-lieu de subdélégation" (Verwaltungshauptstadt einer Subdelegation) und untersteht damit dem Intendanten (hoher Verwaltungsbeamter) des Elsass.

1698 :

Der Conseil Souverain d´Alsace, das für die Justiz zuständige Parlament, wird in Colmar eingerichtet, das damit zum Zentrum der Gerichtsbarkeit des Elsass wird.
>> Der Conseil Souverain in Colmar

 

1714 :

Colmar erwirbt die Hohlandsburg, ein nahe gelegenes herrschaftliches Gebiet, und überlässt das Priorat von Saint-Pierre den Jesuiten, die seit 1698 in Colmar ansässig sind.
 
Die von J.J. Sarger erbaute Jesuitenkirche  
Die von J.J. Sarger erbaute Jesuitenkirche

1735-1744 :

An der Stelle des ehemaligen Franziskanerklosters wird ein neues Krankenhaus gebaut.
 

1742-1750 :

Die Jesuitenkirche wird vom Straßburger Architekt Jean-Jacques Sarger erbaut.
 

1751 :

Die Druckerei Decker gibt den ersten Band der Alsatia Illustrata des Historikers Jean Daniel Schoepflin heraus.
 

1753-1754 :

Voltaire, der Forschungen zur Reichsgeschichte anstellt, hält sich 13 Monate in Colmar auf.
>> Voltaires bewegter Aufenthalt in Colmar
 

Colmar aus der Sicht Voltaires

"Colmar, eine Stadt, die halb deutsch und halb französisch und ganz und gar irokesisch ist…
Der Wein und die Einwohner sind sehr gut in Colmar, aber es gibt keinen guten Kaffee…
Colmar ist eine frömmlerische Kleinstadt voller Schikanen, wo jeder zur Beichte geht, wo keiner den anderen ausstehen kann, und wo geistige Fähigkeiten nur bei einer handvoll Rechtsanwälte anzutreffen sind, welche das öffentliche Recht Deutschlands kennen…
Colmar ist eine einzigartige kleine Stadt. Man hat mir die förmlichsten Komplimente gemacht, weil ich in der Osterzeit zu den Sakramenten gegangen bin…
Glauben Sie mir, ich reise aus Colmar nicht ohne Bedauern ab. Meinem schlechten Ruf hatte ich es zu verdanken, dass ich anfangs ein paar Beleidigungen der Heiligen Kirche einstecken musste, aber all die rechtschaffenen Leute hier im Land haben diesen Skandal wieder gutgemacht…"

 

1769-1771 :

Chassain errichtet den Palast des Conseil Souverain.
 

Colmarer Schönheiten

In diesen Tälern muss man die Ernte gesehen haben. Auf diesen Wiesen muss man das lebende Bild der Heuernte sehen, die reicher ist als die Mädchen hübsch sind.

Vielleicht trägt Colmar den Sieg davon. Dort wachsen alle Brüste weiß, rund und auseinanderliegend. Dort sind alle Augen groß, die Haare üppig, die Zähne glatt, die Arme hübsch angewachsen, die Münder rosig und dem Lächeln zugeneigt. Dort halten alle Reisenden an, dort wollen alle Regimenter in Garnison liegen. Die Väter sagen, dass es zu ihren Zeiten besser war, dass in Colmar sich das Blut verschlechtert. Mädchen von Colmar, tröstet euch… euer Blut ist dasselbe. Das der griesgrämigen Alten hat sich verändert. Die Väter verurteilen euch; im Prozess der Schönheit aber sind es die Kinder, die das Urteil fällen.
Frédéric-Jacques Masson,
Marquis de Pezay,

Pfeffel-Statue von Charles Geiss 

Pfeffel-Statue von Charles Geiss, 1927.

1773 :

Colmar zählt 11280 Einwohner. Der Dichter und Pädagoge Gottlieb Konrad Pfeffel (1736-1809) eröffnet die "Académie militaire".
>> Die Militärakademie in Colmar
 

1775 :

Die philantropische katholische Freimaurerloge "La Concorde" wird in Colmar gegegründet. Vor allem Mitglieder des Conseil Souverain und Offiziere treten ihr bei.
Erste industrielle Tätigkeit in Colmar: im Vorort Logelbach wird die Manufaktur Haussmann gegründet, die gedruckte Stoffe herstellt.

"Am 17. August 1784 um 8 Uhr morgens sah ich sie in Colmar, im Gasthaus  »Aux Deux Clés«. Ich war stumm vor Freude."
Vittorio Alfiéri über Luise von Stollberg, Gräfin von Albany

 

1785 :

Der Lesekreis "Tabagie littéraire" ("Literarische Tabaksstube") wird gegründet. Hier diskutieren die Teilnehmer über die Ideen der Aufklärung.

"Nichts ist angenehmer, als am Stammtisch zu speisen, vor allem, weil man hier den unterschiedlichsten Leuten begegnet. Im Wirtshaus "Zu den drei Königen" trafen wir auf freundliche und gebildete Personen, allesamt redliche Leute. Der Raum war sehr sauber und auf deutsche Art geschmückt; dreieckige Spiegel mit Armleuchtern, eingerahmte deutsche Verse, Kachelöfen. Man servierte sehr sauber und sehr gut für 30 Sous pro Kopf. Der Kellermeister ist ein junger Mann aus Colmar, sehr flink, er schenkt mit einer Intelligenz und Gewandtheit aus, die ihresgleichen sucht. Wir aßen mehrere deutsche Ragouts, die sehr gut waren. Die meisten Wirte sind Faulenzer, die nichts tun. Der von Colmar aß mit den Ausländern. "

Das Elsass im Jahr 1782, von einem Unbekannten festgehalten


Pfister Haus, Michel Hertrich, 1875, Unterlindenmuseum.

1785-1787:

Der aus Nîmes stammende Architekt Pierre Michel d´Ixnard baut den Prüfungsraum ("Salle des actes") und die Bibliothek für das Collège royal (königliche Hochschule, das heutige Lycée Bartholdi).
 

1787:

Nach der Gründung des Provinzialparlaments des Elsass im Juni wird Colmar Hauptstadt eines der sechs Distrikte, die im Hinblick auf die Versammlung der Generalstände provisorisch festgelegt worden sind.
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