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Colmar, capitale des vins d'alsaceNein, hier handelt es sich nicht um ein Dorf, sondern um eine Hauptstadt. Die Hauptstadt des Elsässischen Weines. Eine vergnügte, muntere, gemütliche Stadt von köstlicher Schönheit, die es verdient, bei einem erstaunlichen Spaziergang entdeckt zu werden.

Eine Stadt, von der der Schriftsteller Alphonse Allais träumen würde: eine, inmitten der Äcker und Weinberge erbaute Stadt in der Riedebene, auf dem Schwemmland des Rheines. Blau zeichnen sich die Silhouetten der Vogesen am Himmel ab, die sich wie Vorposten erheben. An den Ufern der Fecht und Lauch erscheint ihr Spiegelbild im Wasser. Eine Stadt? Eigentlich gar nicht so sicher.

Alle Weinbarone können noch so sehr ihre blumengeschmückten Dörfer anpreisen. Von Eguisheim, "der Wiege", bis Riquewihr, "der Perle", so ist es doch in Colmar, wo man lebt, wo man zu Abend isst, wo man ein Glas trinkt, wo man sich trifft, wichtige Sachen bespricht, wo man über die Zukunft des Weines, über den Handel, über Geschäftsbeziehungen und die Bestimmungen entscheidet. "Das Elsass und Korsika sind die einzigen beiden Regionen in Frankreich", bemerkt Jean-Michel Deiss, "in denen der Regionalrat des Nationalen Instituts für gesetzlich bestimmte Herkunftsbezeichnungen (INAO) souverän seine verbindlichen Beschlüsse trifft. Paris braucht dann nur noch zuzustimmen." In Colmar befindet sich neben dem elsässischen INAO auch das CIVA, das Komitee der Elsässer Weine, in dem zahlreiche Winzergenossenschaften, Weinhändler und Genossenschaftswinzer mit all' ihren individuellen Eigenschaften vereint sind.

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Die allgegenwärtige Geschichte, ihre Auswirkungen und die Geographie haben diesen Landstrich geprägt. Ab dem Mittelalter verschickte Colmar seine Weine von dem kleinen Binnenhafen in Horbourg-Wihr bis in die fernsten Winkel Osteuropas. Pierre Bouard, dessen Familie aus dem Poitou-Charentes stammt und der in der Picardie geboren wurde, ist eine charismatische Persönlichkeit und seit fünfunddreißig Jahren die Triebfeder für diese Weingegend. Da er kein Elsässer ist, gelingt es ihm die Weinbarone, die großen Winzergenossenschaften und die eigensinnigen Winzer unter ein Dach zu bringen.

Colmar und seine Rhein-Zuflüsse, die Fecht und die Lauch, Colmar und seine Museen (das Museum Unterlinden mit seinem Altaraufsatz von Isenheim verzeichnet die höchsten Besucherzahlen aller französischen Provinzmuseen), Colmar und sein Besucherstrom von jährlich drei Millionen Touristen, das ist sicherlich alles bekannt. Man kommt hierher, um das Bartholdi-Haus mit seinem Museum zu besuchen; der Bildhauer, der die Freiheitsstatue entwarf. Andächtig steht man vor dem Geburtshaus von Jean-Jacques Waltz, genannt Hansi, dem regionalen und patriotischen Zeichner und Karikaturisten, dessen schön gemalten Schilder das Stadtbild zieren: das der Metzgerei Zimmerlin, das der Gebrüder Fincker, auf dem der von den Genüssen des Schweines verlockte Heilige Antonius abgebildet ist, das von Martin Musslin und seinem dreifarbigen Kugelhupf und das von General Kléber.

Wir betonen es noch einmal: Colmar ist ein Freilichtmuseum. Das "Maison des Têtes", das Pfister Haus, die ehemaligen Unterkünfte der Wachmannschaften im Baustil der italienischen Renaissance, das alte Zollhaus und Klein Venedig: das alles sind tausendfache Gründe für einen kleinen Umweg. Aber ist Colmar auch genügend als Hauptstadt des Weines bekannt? "Diese Rolle", sagt der kluge Pierre Bouard, "wurde durch seine Geschichte, seine Geographie, seine zentrale und auch grenznahe Lage bestimmt. Dass sich hier alle Institutionen befinden, ist nur natürlich."

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In dem gerne und freiwillig parzellierten elsässischen Weingebiet musste eine Einigkeit gefunden werden. Jährlich werden 6500 Ernteerträge gemeldet, tausend Winzer leben vom Weinbau und die durchschnittlich bewirtschaftete Rebfläche beträgt 4,5 ha. "Wenn man Kaysersberg oder Riquewihr gewählt hätte" bestätigt Colette Faller, die große Dame von Weinbach, die das Bestehen ihres Weingutes mit einem prunkvollen Fest gefeiert hat, "gäbe es einige Eifersüchteleien.

 

Aber, das von jedem anerkannte und geliebte Colmar stört niemanden." Und sie fügt hinzu, dass sie, wenn sie in Paris in ein Taxi steigt, nicht sagt, dass sie aus Kaysersberg komme, denn "niemand kennt es. Ich sage, ich komme aus der Nähe von Colmar und alles ist klar…"

raisin2.jpgDer einzige Fehler der Stadt ist ihre Bescheidenheit. "Sie ist die einzige Weinstadt, die, im Gegensatz zu Bordeaux, Beaune oder Reims, diese Eigenschaft nicht auf ihren Ortsschildern angibt", bemerkt vorsichtig Pierre Bouard. Und Robert Schoffit fügt trocken hinzu: "Es macht mich traurig, am Eingang der Stadt "Colmar - ville Musée" zu lesen. Man kann doch stolz sein, von hier zu sein. Dazu muss gesagt werden, dass Robert zu den Winzern der Stadt gehört. Er hat sich in der ehemaligen Vorstadt der Gemüsegärtner, im Semm Viertel niedergelassen. Mit seinem Sohn Bernard bewirtschaftet er 15 ha Weinberge, darunter 2 ha auf dem berühmten Rangen von Thann, auf dem Weinberg Saint-Théobald, und 12 ha auf dem Harth. Dieses Schwemmland des Rheines hat mit den Steinen der Fecht einen "Schuttkegel" gebildet. Auf den Etiketten seines bemerkenswerten Harth Rieslings, mit seinem frischen, süffigen und lebhaften Geschmack, ist die Silhouette der Stadt mit ihren Dächern und ihren Glockentürmen abgebildet. Und sein Chasselas ist genau der richtige Wein, den man nach einer Angeltour unter Freunden trinkt.


Lange Zeit haben die hiesigen Winzer von der Bezeichnung "grand cru" für ihren "Harth-Colmar" geträumt. Robert Karcher, Ehrenpräsident der hiesigen Genossenschaft, träumte wohl am intensivsten davon. Sie besitzt mitten im Stadtzentrum, in der rue de l'Ours, einen rustikalen, gastfreundlichen Weinkeller. Er befindet sich nur zwei Schritte von den schönen Gassen der Fußgängerzone entfernt, deren elegante Läden zu einem wunderbaren Schaufensterbummel einladen. Während er Sie von seinem verführerischen Muskat und seinem Gewürztraminer mit fruchtigem Zitrusduft kosten lässt, träumt Robert, der nun von seinem Sohn Georges abgelöst wird, auch weiterhin von einer glorreichen Zukunft der hiesigen Gegend. "Wenn die Harth als "grand cru" eingestuft wird, werden es manche schwerer haben."

Einige große Weingüter aus der Umgebung, Weinhändler und Genossenschaften, besitzen auch Weinberge auf den 350 ha der Harth. So René Sparr in Sigolsheim, dessen Weingut sich über den Brand von Turckheim und den Schlossberg von Geisberg hinzieht. In Sigolsheim gibt es einen nationalen Ehrenfriedhof mit herrlichem Ausblick. Hier liegen die tapferen Soldaten begraben, die während des Einbruchs von Colmar Ende 1944, Anfang 1945 gefallen sind. "Sigolsheim hat nicht die Anziehungskraft von Riquewihr " sagt er "und schließlich ist Colmar der Ort, wo man einkaufen geht und seine Steuern zahlt…".

Alex Heinrich, sein Amtskollege aus Pfaffenheim, ergänzt: "Colmar kann auf eine lange, bewegte Geschichte zurückblicken". Seit dem Mittelalter wird hier Wein exportiert. Schon zu der Zeit, als Mühlhausen noch nicht existierte, das erst durch die Textilindustrie entstanden ist. "Beide haben die gleichen Interessen und sprechen die gleiche Sprache wenn es um die Qualität geht". Im Elsass konnten die Genossenschaften beweisen, dass der Erfolg über geringere Erträge und neue technische Mittel erzielt wird, was sich aber die kleineren Winzer oft nicht leisten können.


Die von dem Kunstliebhaber Jean-Marie Lang geleitete Winzergenossenschaft in Ribeauvillé unterstützt diese Winzer mit einer Prämie, die eventuelle Verluste bei den geernteten Trauben ausgleichen soll. So wird die Differenz zwischen den tatsächlich gelesenen 50 Hektolitern pro Hektar und den 66 vom Gesetz zugelassenen Hektolitern ausgeglichen. "Wir haben den Qualitätsgedanken verbreitet", bemerkt Alex Heinrich. Das ist übrigens der Schlüsselbegriff der bekannten ansässigen Winzer. Sie machen sich über die Ende Juli stattfindenden "Weinfeste" lustig: "sie ziehen 200000 Zuschauer in das Konzert von Johnny Hallyday, aber bringen nichts für uns Winzer", bemerkt der bekannte Léonard Humbrecht aus Wintzenheim. Sie sprechen lieber von der Arbeit des Französischen Instituts für Agrarforschung, INRA, das hier Versuche mit den Sorten seiner eigenen Rebstöcke durchführt.


Jean-Michel Deiss, ein origineller Mensch, der aus Bergheim stammt, versucht die Dinge in Bewegung zu bringen. Nicht nur mit einem Pinot noir Burlenberg, der mit einem Ertrag von 35 Hektolitern pro Hektar den großen Burgundern Konkurrenz macht, sondern auch mit dem Versuch, Wein durch den Anbau aller Rebsorten des Elsass auf dem ton- und kalkhaltigen Boden des "grand cru" von Altenberg zu kultivieren. 17 Hektoliter pro Hektar, 13,5 % und 120 Gramm Restzucker für einen revolutionären Wein ist eine Herausforderung, zu der das INAO von Colmar seine Zustimmung gegeben hat. (Theoretisch wurde bisher die Bezeichnung "grand cru" nur für Muskat, Gewürztraminer, Riesling und Tokayer vergeben).

Dégustation

Das Leben der Winzer von Colmar? Sicherlich besteht es nicht nur aus dem Weinhandel und der Arbeit im Weinberg, sondern auch in der Entspannung, mit den beiden ersten Argumenten als Entschuldigung. "Als unsere Urgroßeltern 1898, vor über hundert Jahren, die Weinbörse gründeten, geschah das um die elsässische Identität während der preußischen Besetzung zu wahren, um neue Absatzmärkte zu finden, um gemeinsam den Wein zu verkaufen, aber auch, um gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und ein Glas zu trinken."

Paul Gingliner, Besitzer von 12 ha in Eguisheim, ist einer der fünfundzwanzig Nachkommen der hundert Gründer der Weinbörse, die vor einem Jahrhundert ins Leben gerufen wurde. Er ist ihr heutiger Generalsekretär: "Es handelte sich  einst darum, den Wein dort zu verkaufen, wo die Touristen waren. Und damals gingen sie eher nach Colmar als in unsere Dörfer." Gleichzeitig nutzten die Winzer aus den verschiedenen Dörfern die Gelegenheit, um in den beiden Restaurants "Maison des Têtes" und "Bartholdi" schöne und gediegene Festessen abzuhalten. Diese beiden Restaurants gehören zum architektonischen Erbe der Stadt und sind beide Eigentum der Weinbörse.

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